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Mit Digi­ta­li­sie­rung gegen den Kli­ma­wan­del

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Maja Göpel, Gene­ral­se­kre­tä­rin des wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats der Bun­des­re­gie­rung für glo­ba­le Ver­än­de­run­gen, hielt auf der “Das ist Netzpolitik!”-Konferenz 2019 in Ber­lin einen Vor­trag, in dem sie dar­leg­te, war­um wir Digi­ta­li­sie­rung und Nach­hal­tig­keit zusam­men den­ken müs­sen. Wir ste­hen vor sehr gro­ßen öko­lo­gi­schen Pro­ble­men, wäh­rend sich gleich­zei­tig die digi­ta­le Revo­lu­ti­on ent­fal­tet – was läge näher, als die damit ein­her­ge­hen­den neu­en Poten­zia­le zur Pro­blem­lö­sung ein­zu­set­zen? Mit Digi­ta­li­sie­rung gegen den Kli­ma­wan­del.

Was hat Kli­ma­wan­del mit Digi­ta­li­sie­rung zu tun?

Fakt ist: Wäh­rend vie­ler Jahr­tau­sen­de mit gro­ßen Kli­ma­schwan­kun­gen hat der Mensch kei­ne gro­ßen Fort­schrit­te gemacht. Erst wäh­rend des Holo­zäns, einem Zeit­ab­schnitt mit sta­bi­len Kli­ma­ver­hält­nis­sen, hiel­ten Acker­bau und Vieh­zucht Ein­zug in die Mensch­heits­ge­schich­te. Auch die gro­ßen Hoch­kul­tu­ren und unser heu­te bestehen­der tech­ni­scher Stand sind hier anzu­sie­deln. Das aktu­el­le Kli­ma ist art­ge­recht für uns Men­schen und allein des­halb schon erhal­tens­wert. Die Fra­ge nach dem Wie ist dem­nach, wie oft behaup­tet, mit­nich­ten wohl­stands­feind­lich, son­dern zutiefst lebens­be­ja­hend.

Heu­te befin­den wir uns im Über­gang zum Anthro­po­zän. Seit den 1950er Jah­ren haben sich vie­le Ent­wick­lun­gen rasant beschleu­nigt: das Aus­ster­ben der Arten, die Anzahl der Autos, die Aus­beu­tung der Mee­re, die Was­ser­nut­zung. Nach den bei­den Welt­krie­gen war es eine tol­le Idee, sich für Wohl­stand stark­zu­ma­chen, er mach­te die Men­schen zufrie­den und Krie­ge unnö­tig. Aber heu­te sind wir in einer ande­ren Situa­ti­on. Wel­che Ideen sind heu­te gut?

Laut Göpel gibt es zwei Arten, wie der Mensch im Anthro­po­zän wei­ter­ge­hen kann. 

  1. Wir machen auf Natur­schutz, den­ken, wir krie­gen mit Tech­no­lo­gie alles hin, machen wei­ter wie bis­her und ver­brau­chen Res­sour­cen.
  2. Wir fra­gen uns, wie fra­gi­le Lebens­sys­te­me funk­tio­nie­ren und erhal­ten die­se, set­zen aber auch unse­re Ideen von Fort­schritt und Tech­no­lo­gie um – mit Demut. 

Der zwei­te Weg, so Göpel, sei erfolg­ver­spre­chen­der und die Digi­ta­li­sie­rung kann uns hel­fen, die­sen umzu­set­zen. Sie erlaubt uns, Pro­zes­se anders zu gestal­ten: dezen­tral, ver­netzt und poten­zi­ell weni­ger res­sour­cen­in­ten­siv – wenn wir recht­zei­tig auf erneu­er­ba­re Ener­gien umstel­len.

Was geht im Digi­tal-Anthro­po­zän?

Wir müs­sen die Digi­ta­li­sie­rung zunächst ver­ste­hen, ihre Akteu­re und deren Inten­tio­nen ken­nen­ler­nen. Dann wird es uns mög­lich sein, die Digi­ta­li­sie­rung in den Dienst der Nach­hal­tig­keit zu stel­len. Wir müs­sen neue Poten­zia­le mit guten Ideen ver­bin­den, um eine neue Rea­li­tät zu schaf­fen. Drei Dyna­mi­ken wer­den dabei eine wich­ti­ge Rol­le spie­len:

  1. Digi­ta­li­sie­rung für Nach­hal­tig­keit: Daten wer­den gesam­melt und sinn­voll genutzt. Die Pro­ble­ma­tik der sel­te­nen Erden und des Elek­tro­schrotts kann mit­hil­fe von Tracking gelöst wer­den.
  2. Nach­hal­ti­ge digi­ta­li­sier­te Gesell­schaft: Die­se zeich­net sich aus durch einen neu­en Huma­nis­mus, neue Arbeits- und Sozi­al­ver­si­che­rungs­sys­te­me, einen Schutz der Demo­kra­tien, und eine ver­netz­te Welt­ge­sell­schaft.
  3. Zukunft des Homo sapi­ens: Der bio­lo­gi­sche Mensch in sei­ner natür­li­chen Umwelt wird bewahrt, die Mensch-Maschi­ne-Kol­la­bo­ra­ti­on gestal­tet und eine ethisch reflek­tier­te Wei­ter­ent­wick­lung des Men­schen vor­an­ge­trie­ben.

Fazit

Göpel plä­diert dafür, dass Zukunfts­kom­pe­ten­zen – zu denen bei­spiels­wei­se digi­ta­le Skills, Mei­nungs­bil­dung und Fle­xi­bi­li­tät zäh­len – in den Schu­len gelehrt wer­den. Wir brau­chen zudem star­ke Insti­tu­tio­nen, denen es nicht um immer mehr Wachs­tum und ihre Wett­be­werbs­fä­hig­keit geht. Wir müs­sen erken­nen, dass die wert­volls­te Res­sour­ce heu­te nicht die viel beschwo­re­nen Daten sind, son­dern unser Pla­net. Und wir müs­sen fra­gi­le Net­ze mit Kreis­lauf­wirt­schaft stär­ken. In Euro­pa haben wir dies­be­züg­lich schon vie­le tol­le Regeln – nun es geht nur noch dar­um, die­se umzu­set­zen.

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