Dorothea Martin hielt bei der 5. future!publish einen Impulsvortrag. Sie erklärte, warum AutorInnen den boomenden Medienbereich Audio als Chance empfinden sollten. Dorothea Martin ist bei Audible für die Programmleitung von Originalentwicklungen verantwortlich. Sie verantwortet als Executive Producer Original Fiction die inhaltliche Entwicklung von Audible-Eigenproduktionen im Bereich Fiktion. Dazu gehören Hörspiele, Hörbücher und Podcasts, die als hochwertige „Audible Originals“ gemeinsam mit AutorInnen und ProducerInnen produziert werden. 


Der Audio-Boom in Deutschland

Dorothea Martin verwies auf den „Audible Hörkompass 2019“. Bei der Studie wurden 2000 Personen befragt und die Ergebnisse geben Antworten auf die Fragen: Wer hört was in Deutschland und zwar wie oft und wobei? Ein Drittel aller Deutschen hört täglich Audioinhalte und Podcasts. Der Hörkompass 2019 deckte auf, dass erstmals das digitale Hörbuch stärker genutzt wird als CDs. Außerdem wurde festgestellt, dass Menschen, die viel hören auch gleichzeitig überdurchschnittlich viel lesen. Sie sind gebildet und verfügen über ein gutes Einkommen.


Warum hören Menschen?

Grundsätzlich werden Audioinhalte gehört, weil es für die Menschen nützlich ist. Hören ist nebenbei möglich. Das kann beim Warten an der Supermarktkasse oder im Wartezimmer sein. Aber auch Gesundheitsaspekte werden angeführt: NutzerInnen verkürzen durch das Hören ihre Screenzeit. Ebenso wird die Selbstoptimierung ins Feld geführt: Weiterbildung wird möglich während man gleichzeitig etwas anderes tut. Auch Mental Health und Mindfulness sind Aspekte: Hörinhalte werden zu Hause zur Entspannung genutzt.

Dorothea Martin legt bei der Produktion der Originals allerdings Wert auf spannende Inhalte. Sie berichteet von einer Untersuchung der University of London. Anhand der Schlussszene der ersten Staffel von Game of Thrones, in der der Sympathieträger Ned geköpft wird, wurde getestet, wie Menschen auf Spannung reagieren. Je nachdem, ob sie die Geschichte sehen, lesen oder hören. Interessanter Weise wurde die größte emotionale Reaktion bei den Hörern festgestellt. Das Kopfkino bietet offensichtlich ein besonders intensives Erleben von Geschichten. So gesehen kann es für Autoren sehr spannend sein, für Audio zu schreiben. Bei Audible hat zum Beispiel der Autor Sebastian Fitzek zusammen mit Vincent Kliesch die Serie um einen forensischen Phonetiker entwickelt. Der hört, wer lügt oder depressiv ist. 


Serien und enhanced Books

Audible geht bei der Entwicklung von Stoffen neue Wege und legt seinen Schwerpunkt auf die Serienentwicklung. Audible Originals werden in ähnlicher Weise wie die Serien visueller Streaming-Plattformen mit hohem Erzähltempo und mitreißenden Charakteren entwickelt. Dafür werden ProsaautorInnen Teil interaktiver Teams, die im Writers‘ Room zusammenkommen. Für AutorInnen entstehen dadurch komplett neue Arbeitsformen.

Auch bei Hörbüchern ergeben sich neue Formen. Das Schreiben wird für das Hören anders gestaltet. Die Romanlesung kann wie ein Podcast ausgebaut, Soundlogos, Geräusche und mehrere Sprecher integriert werden. 

Stoffe werden nun international gedacht und international entwickelt. Der rege Austausch zwischen dem deutschen, italienischen, französischen und angloamerikanischen Team bei Audible in Berlin trägt Früchte: Die Ghostsitter-Serie wurde z.b. bereits an den angloamerikanischen Markt verkauft. 


Fazit

Originals by Audible bedeutet, dass der Stoff zuerst bei Audible entwickelt wird. Dadurch wird die Verwertungskette umgedreht: Das Audiorecht ist Hauptrecht, Print- und eBook-Rechte sind Nebenrechte. Für AutorInnen entstehen so Synergieeffekte. Momentan wird z.B. die zweite Staffel von „Die juten Sitten“ bei Audible produziert, während im Verlag der Band zur ersten Staffel gedruckt wird.


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