Monika Kolb ist Geschäftsführerin des Media Campus Frankfurt. Auf dem future!publish-Kongress 2020 in Berlin hielt sie ein Impulsreferat über den Nutzen des digitalen Lernens, dargestellt an Beispielen aus eigenem Haus. Insbesondere ging sie dabei auf die Chancen ein, die der kürzlich verabschiedete Digitalpakt für Bildungsanbieter, Arbeitgeber und Lernende mit sich bringt.


Der Digitalpakt

Ende 2019 wurde der Digitalpakt verabschiedet. Mit diesem hat sich die Bundesregierung verpflichtet, die Digitalisierung an deutschen Bildungseinrichtungen innerhalb der nächsten fünf Jahre mit einer stolzen Summe von 5,5 Milliarden Euro voranzubringen. Laut Kolb wird diese Summe dringend benötigt, denn die Deutschen schneiden, was ihre Digitalkompetenz angeht, im internationalen Vergleich eher schlecht ab. 

Laut Kompetenzkatalog einer kürzlich stattgefundenen Kultusministerkonferenz soll jeder Schüler künftig über sechs digitale Kompetenzbereiche verfügen. Eine Grundvoraussetzung dafür sind gut geschulte Lehrer, entsprechende Medien wie Interactive Whiteboards sowie das flächendeckende Vorhandensein von W-LAN. Der aktuelle Stand an deutschen Schulen ist diesbezüglich sehr unterschiedlich.


Chancen des Digitalpaktes

Der Media Campus Frankfurt ist eine Berufsschule mit 600 Schülern, die dort in zwei Blöcken zu je neun Wochen den schulischen Teil ihrer dualen Ausbildung im Bereich Medien ableisten. Sie kommen aus allen Teilen Deutschlands und müssen aufgrund des Blockunterrichts in sehr kurzer Zeit sehr viel lernen. Digitale Lernangebote wie Webinare oder Lernvideos bieten ihnen große Vorteile: Sie haben kürzere Reisezeiten weil sie den Unterrichtsstoff über Lernvideos teilweise zu Hause absolvieren können. Sie können in kleineren Lerneinheiten lernen. Sie können unterrichtsfreie Zeiten überbrücken und ihr Wissen auffrischen und sich so viel besser auf Prüfungen vorbereiten. 

Beim Media Campus werden digitale Medien auf einer Lernplattform zur Verfügung gestellt. In erster Linie handelt es sich dabei um professionell aufgenommene Lernvideos. Parallel zu jedem Video gibt es immer auch ein Script zum Download, um Lerntypen gerecht zu werden, die gedruckte Medien brauchen. Zusätzlich gibt es auch Lern-Apps, Lernquize, Podcasts und Webinare – gerade Letztere bieten einen großen Mehrwert dadurch, dass sie das Stellen von Fragen ermöglichen und damit einem Präsenzseminar sehr nahekommen. Auch wenn all diese Medien nichts Neues sind, so Kolb, so ist es doch aufwendig, sie zu produzieren und aktuell zu halten. 

Durch den Digitalpakt würde nun endlich sichergestellt, dass alle Bildungseinrichtungen sich die Einführung neuer Lernmedien leisten könnten. Auch der Einsatz von Interactive Whiteboards werde damit flächendeckend ermöglicht – diese könnten unendlich vielseitig und kreativ eingesetzt werden und sprächen verschiedene Lerntypen perfekt an. Nicht zuletzt hat der stärkere Einsatz digitaler Medien einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Umwelt: Durch Fernlehrgänge würden Reisen überflüssig und die Nutzung digitaler Medien ermöglichte eine immense Einsparung von Papier.


Fazit

Auch in der Buchbranche ist die Digitalisierung in vollem Gange und prägt den Arbeitsalltag. Was ihre Akzeptanz anginge, gäbe es laut Kolb jedoch – wie auch gesamtgesellschaftlich – noch immer ein großes Gefälle. Gerade Verlage als Bildungsunternehmen, sollten heute jedoch alle Instrumente etablieren, die ihnen zur Verfügung stünden, um die Gesellschaft, insbesondere jedoch die Lehrkräfte fit zu machen für die Möglichkeiten, die der Digitalpakt bietet.


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