Luisa Neubauer, Klimaaktivistin, Autorin und eine der Hauptorganisatorinnen der Bewegung „Fridays for Future“ hielt beim future!publish-Kongress 2020 in Berlin eine Eröffnungsrede mit dem Titel „Vom Ende der Klimakrise“. In dieser arbeitete sie vor allem heraus, wie es um die Menschheit in Anbetracht der aktuellen Klimakrise steht, was getan werden muss und welche besondere Verantwortung die Buchbranche in diesem Zusammenhang trägt.


Zu Beginn ihrer Rede stellte Neubauer drei Dinge in den Raum, die die Buchbranche ihrer Meinung nach in puncto Nachhaltigkeit unbedingt beherzigen sollte:

  1. Die Problematik ihres enormen Papier- und Plastikverbrauches angehen.
  2. Ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept erarbeiten, um zukunftsfähig zu bleiben.
  3. Experten zu beiden Themen einladen, sich auch unangenehme Botschaften anhören und schnell ins Handeln kommen.

Neubauer sieht sich selbst nicht als Expertin, was die Buchbranche angeht und ging deshalb zunächst in ihrer Rede lieber auf die Beantwortung dreier Fragen ein, die ihr viel öfter gestellt werden sollten.


1. Wie schlimm ist es?

Neubauer meint, wir erlebten aktuell nicht wirklich eine Klimakrise, denn das Klima käme klar – vielmehr erlebten wir eine Menschheitskrise, denn die Menschen kämen nicht klar mit dem, was ihnen klimatisch bevorstünde. Während es einen nie da gewesenen Konsens unter Wissenschaftlern gibt, die klar artikulieren, was passiert, werden diese Wissenschaftler oder ihre Botschafter im öffentlichen Diskurs auseinandergenommen und als Apokalyptiker diskreditiert. Es gibt jedoch harte Zahlen, die belegen, dass wir bereits in wenigen Jahren den für Menschen klimatisch sicheren Raum verlassen, wenn wir weitermachen wie bisher.


2. Wenn es so schlimm ist, warum tun wir nichts?

Wenn Klimaaktivisten diese Frage stellen, bekommen sie häufig zu hören, dass doch unheimlich viel getan werde, gerade in der Politik. Aber es ist eben nicht genug – vielfach fehle noch das Mindset des 21. Jahrhunderts, so Neubauer. Nach heutiger Logik gehe es beispielsweise nicht mehr darum, ob Siemens Signalanlagen für neue australische Kohleminen baut oder nicht, sondern einzig darum, dass wir nichts tun, was einen weiteren Temperaturanstieg verursacht. Diese Mine in Australien darf demnach gar nicht erst eröffnet werden. Und jeder Konzern, der sich an ihr beteiligt, macht sich mitschuldig am Nichterreichen der Klimaziele.


3. Was müssen wir eigentlich tun?

Wir brauchen einen Realitycheck über die Umstände der Klimakrise und unsere Art und Weise zu agieren.

Dabei muss eines klar sein: Harte Zahlen sind nicht verhandelbar. Bis auf zwei kleine Inselstaaten hat sich kein Land an die vor vier Jahren unterzeichneten Pariser Abkommen gehalten, stattdessen wurde weiter in Kohle-, Öl- und Gasfelder investiert. Auf die Trumps, Putins und Erdogans dieser Welt ist kein Verlass. Wir brauchen Regierungen, Konzerne und eine Zivilgesellschaft, die sagt: Halt! So geht es nicht weiter!


Fazit

In der heutigen Zeit bedarf es jeder Instanz, die begriffen hat, worum es geht und dass es heißt „jetzt oder nie“. Es braucht Menschen und Branchen wie die Buchbranche, die aufwachen und verstehen, dass es an ihnen ist zu handeln. Neubauer appelliert: Die Buchbranche erzählt Geschichten. Es ist an ihr, harte Zahlen anschaulich zu machen und der Menschheit zu erzählen, wie es um sie steht. Ihre zentrale Rolle besteht darin, den Menschen heute und hier von Menschen zu erzählen, die andernorts schon erleben, was uns hier bald bevorsteht, wenn wir heute nicht handeln.


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