Nico Gramenz ist CEO der Factory Berlin, einem Bürocampus, der Startups und Konzerne beherbergt und miteinander vernetzt. In den letzten Jahren ist dort eine lebhafte Community erwachsen. In seiner Keynote auf dem RuhrSummit 2019 sprach Gramenz darüber, wie wichtig eine solche Vernetzung für Deutschland und Europa ist und wie sie gelingen kann. Seine zentrale These lautet: Es reicht nicht, Menschen oder Firmen punktuell zu verbinden, vielmehr muss man einen kontinuierlichen Raum für sie erschaffen. Dieser kann physisch sein – wie die Factory Berlin – aber auch virtuell geschaffen werden, beispielsweise über Messengerdienste.


Warum Netzwerken?

Gramenz führte aus, das Wachstum und Innovation immer wehtun, weil man dabei seine Komfortzone verlassen muss. Deutschland und Europa muss genau das aber dringend tun. Aktuell gibt es 700 Unicorns in Nordamerika, 220 in China und Indien und nur 100 in Europa – die Nachteile der europäischen Standorte lassen sich dabei vor allem mit mangelnder Vernetzung begründen. 

Was Europa, laut Gramenz, auch verstehen muss: Businessnetzwerke funktionieren anders als private Netzwerke. Im Business heißt es, zwei Schritte in eine Richtung gehen, ohne zu erwarten, dass der andere drei Schritte entgegenkommt. In ein Netzwerk muss man immer erst investieren, bevor man etwas zurückbekommt.

Jedes Unternehmen, ob Startup, Corporate oder Mittelstand sucht Talente, Experten, Influencer. Netzwerke bringen all diese Menschen zusammen. Aber sie können noch mehr: Kein Unternehmen muss heute noch die gesamte Wertschöpfungskette allein beherrschen, es gibt immer andere, die bestimmte Disziplinen besser beherrschen. Mit denen muss man sich vernetzen, will man mit der heutigen Innovationsgeschwindigkeit mithalten und nachhaltig weiter existieren.


Wie funktioniert Vernetzung bei der Factory?

Die Factory ist eine Art Marktplatz, der viele kleine Ökosysteme vereint. Von den 3.500 Communitymitgliedern sind 80 % Talente und Experten, 10 % Startups und 10 % Großunternehmen. Letztere bringen unglaublich viel Erfahrung in die Community ein, finden dort gleichzeitig aber auch erfahrene Mitarbeiter. Auch der Einzelunternehmer kann hier nach seinem Co-Founder, CTO oder CEO suchen. Startups können sich sehr gut in den Bereichen Legal, Finance, HR und Tools vereinen und darüber Mitarbeiter einsparen. Oftmals geht es dann auch um Geschäftsfeldwechsel oder -erweiterungen.

So weit gehen andere Netzwerklösungen laut Gramenz nicht. Nur weil man viele Leute in einen Raum steckt, heißt das nicht, dass diese auch miteinander arbeiten – genau das aber macht Netzwerken aus. 

Damit eine Community funktioniert, braucht sie Kuratierung. Factory hat beispielsweise eine Aufnahmegebühr von 119 Euro und Interessenten müssen sich um die Aufnahme bewerben. So wird sichergestellt, dass nur Leute reinkommen, die es ernst meinen. Außerdem bringt Factory regelmäßig Partner aus den Bereichen Bildung und Politik in die Community ein, sorgt für gute Kommunikationswege über Messenger oder Suchplattformen, stellt Räume bereit oder unterbreitet Angebote, bei denen Menschen zueinander kommen und kreativ sein können.


Fazit

Gramenz ist sicher: Wir verbinden einzelnen Ökosysteme nur dann miteinander, wenn wir den Mut haben, unsere Komfortzone zu verlassen. Es geht nicht mehr um Wettbewerb oder darum, wer den längsten Businessplan hat. Wer Innovation halten will, kommt heute um Netzwerken nicht mehr herum. Das Modell der Factory Berlin lässt sich dabei auch auf andere Städte und Regionen übertragen.


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