Den Startschuss zum Entrepreneurship Summit 2019 in Berlin gab Prof. Dr. Braungart mit seiner Keynote namens “Die nächste industrielle Revolution”. Er ist Chemiker und Verfahrenstechniker und lehrt, neben einigen Gastprofessuren, an der Leuphana Universität Lüneburg. Bereits in den 90er Jahren entwickelte Prof. Braungart das sogenannte cradle-to-cradle Prinzip, einem Konzept für eine durchgängige Kreislaufwirtschaft. Hierbei werden Produkte entweder in biologische Kreisläufe zurückgeführt oder als technische Produkte in technischen Kreisläufen gehalten.

Innovation in der Umweltdebatte

Er stellte die Frage wie die gesamte Umweltdebatte in Innovation umgewandelt werden kann. Laut Braungart sollte sich die derzeitige Diskussion nicht um Moral drehen, sondern vielmehr um Qualität und Schönheit von Produkten. Ein Produkt, das zu Abfall wird, hat ein Qualitätsproblem. Ein Produkt, das Menschen krank macht, ist nicht schön. Es braucht also innovative Konzepte, die sich dem annehmen. Diese müssen neben der Umweltverträglichkeit und dem Nutzen für die Gesellschaft auch einen Profitansatz verfolgen, sonst werden sie langfristig nicht überleben können. Dies kann dem Kunden auch kommuniziert werden, denn wie der Kunde so ist auch das Unternehmen nicht perfekt.

Nachhaltigkeit in seiner jetzigen Form macht den Kunden jedoch zum Feind. Nach dem Motto: “Lieber Kunde, wenn Du wirklich gut sein willst, solltest du das Produkt lieber gar nicht kaufen.” Der Mensch darf aber nicht als Belastung angesehen werden. Vielmehr geht es darum Chancen zu erkennen und diese nun zu ergreifen. Laut Braungart gibt es keinen Grund zur Panik. Nur muss nun effektiv gehandelt werden.

Digitalisierung unter cradle-to-cradle Gesichtspunkten

Wir brauchen in Deutschland und Europa ohnehin Innovation. So wird in Zukunft z.B. jede Maschine in drei Monaten nachgebaut werden können. Entwickeln wir in Deutschland also keine neuen Geschäftsmodelle, werden wir den gesamten Maschinenbau und damit tausende Arbeitsplätze verlieren. Doch die Geschäftsmodelle, die uns umgeben, sind teilweise so primitiv, dass uns die Innovation förmlich anspringt. So wird z.B. nur ein Bruchteil der seltenen Elemente in Smartphones recycled und aus den 40 Stahllegierungen eines Autos wird lediglich Baustahl gewonnen, wodurch alle Buntmetalle verloren gehen. Unternehmen kaufen Roboter, müssen diese über ihre Lebenszeit warten und anschließend für deren Verschrottung bezahlen. 

Digitalisieren wir diese bestehenden Geschäftsmodelle, so digitalisieren wir laut Braungart Sondermüll. Es braucht eine Digitalisierung unter cradle-to-cradle-Gesichtspunkten. Konkret hieße dies, dass eine Bank die Materialien hält und wir Geschäftsmodelle entwickeln, die lediglich die Nutzung der Materialien, nicht die Elemente selbst verkauft. So wird das Material nach dessen Nutzung wieder in den Kreislauf zurückgeführt und nicht verschrottet. Für Unternehmen wird es hierdurch sogar billiger. Im Grunde brauchen sie nämlich keine Roboter mit all ihren verbundenen Kosten, sondern sie brauchen 100 Millionen Schweisspunkte. Warum also teure Roboter anschaffen wenn man auch für deren Nutzung bezahlen kann, so günstiger davonkommt und die eingesetzten Elemente sogar wieder in den Kreislauf zurückführen kann?

Fazit

Die Umweltbedrohung ist real. Laut Braungart sollte es nun aber nicht darum gehen Menschen ein schlechtes Gewissen einzureden und Panik zu verbreiten, sondern darum Chancen zu erkennen und innovative Geschäftsmodelle unter cradle-to-cradle Prinzipien umzusetzen. Diese monetarisieren oftmals nur die Nutzung von Produkten, nicht die Produkte selbst. Ein Prinzip, das wir auch bei der sharing economy beobachten können. Die Potentiale sind also da, nun braucht es Gründerinnen und Gründer, die diese umsetzen.