Das Jahr 2020 war für die Radio- und Fernsehbranche eine große Herausforderung. Ulrike Simon, Medienjournalistin und Autorin bei Horizont, sprach auf den Münchner Medientagen mit ihren Gästen über die Herausforderungen der Branche während der Pandemie und wie es im neuen Jahr weitergeht. Eingeladen war der neugewählte Vorstand von VAUNET, dem Interessenverband der Radio-, Fernseh- und Telemedien: Annette Kümmel von Pro7/SAT1, Marco Maier von Radio/Tele FFH und Claus Grewenig von der Mediengruppe RTL. VAUNET ist der Name des Verbandes Privater Medien und leitet sich aus den Anfangsbuchstaben von Video, Audio und Network ab.

VAUNET im Lockdown

Der erste Lockdown im Frühjahr hat die gesamte Branche vor große Herausforderungen gestellt. Besonders am Anfang herrschte große Unsicherheit, ob der Sendebetrieb überhaupt aufrecht erhalten werden kann, so Annette Kümmel. Auch VAUNET hatte keinerlei Informationen, ob Radio und Fernsehen zu den systemkritischen Bereichen gehören und ob die Mitarbeiter überhaupt in die Studios dürfen. Dazu kamen wirtschaftliche Probleme: so seien während der Lockdown-Monate 70 - 80% der Werbeeinnahmen weggebrochen, auch das Eventgeschäft vieler Sender fiel komplett aus. Marco Maier spricht bei einigen kleineren Sendern sogar von Verlusten von bis zu 90% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Doch es gab auch positive Seiten: durch das größere Informationsbedürfnis der Bevölkerung und neue Gewohnheiten konnten neue Hörer gewonnen werden. Auch die Digitalisierung der Produktionsprozesse wurde laut Claus Grewenig deutlich schneller vorangetrieben, als es ohne die Einschränkungen der Fall gewesen wäre. Dadurch sind sich auch alle drei sicher, dass die Branche besser durch die zweite Welle kommen wird. Die Ausgangslage ist eine ganz andere als noch vor einem halben Jahr: Kommunikationsstrukturen und Produktionsprozesse wurden digitalisiert und verschlankt, Sicherheits- und Hygienevorkehrungen sind bekannt und wurden bereits aufgebaut.

Die Aufgaben des Verbandes

VAUNET hat in der Krise zwei große Aufgabenbereiche: Eine Plattform für den Austausch der einzelnen Sender bieten und Kräfte bündeln für Gespräche mit der Politik. Während der erste Punkt bereits sehr gut funktioniert, sie Annette Kümmel beim zweiten Teil noch Nachholbedarf. Der Dialog mit den politischen Entscheidungsträgern muss fortgeführt werden, besonders um weitere finanzielle Folgen zu vermeiden. Zusätzlich zu finanziellen Mitteln sollten gesetzliche Regulierungsmöglichkeiten, etwa beim Urheberrecht und bei Werberestriktionen, nicht zusätzliche Probleme schaffen. Denn die Radio-, Fernseh- und Telemedien haben in der Krise bewiesen, dass sie systemrelevant sind - nicht nur durch die Bereitstellung und Verbreitung von Informationen, sondern auch dadurch, dass durch Werbung anderen Branchen durch die Krise geholfen werden kann.


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