Bereits während ihres Studiums arbeitete Iris Lanz bei Radio, Film und Fernsehen. Als Berlin dann nicht nur Hauptstadt, sondern auch Werbehauptstadt wurde und alle großen Agenturen in die Stadt kamen, gründete sie eine Location Scouting-Agentur für Werbeproduktionen, eine Dienstleistung, die es bis dato so nicht gegeben hatte. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde ihr Unternehmen schnell zu einer Full Production Service Agentur, bis sie schließlich im Jahr 2007 verkauft wurde. Iris Lanz wollte wieder mehr inhaltlich arbeiten. Ohne den Druck durch Mitarbeiter und Stammkunden arbeitete sie anschließend als freie Konzepterin und Gesamtleiterin für große Veranstaltungen unter anderem für das Land Berlin, die Bundesregierung sowie für verschiedene Verbände und Unternehmen. Im Jahr 2014 dann der Schritt zur Berlin Tourismus und Kongress GmbH, anfangs als stellvertretende Bereichsleiterin, später als Prokuristin und Geschäftsbereichsleiterin. Eine sehr erfolgreiche Zeit: letztes Jahr, das gleichzeitig das letzte Jahr unter ihrer Leitung war, landete Berlin auf dem Dritten Platz des internationalen Rankings für Kongressveranstalter. 

Von der Auszeit zum Start-Up

In diesem Jahr war ursprünglich eine längere Auszeit geplant. Diese fiel allerdings kurz aus. Iris Lanz unterstützt seit Mai 2020 ein Hilfsangebot, das sich um die mentale Gesundheit von jungen Menschen unter 25 Jahren kümmert: Krisenchat.de. Dahinter verbirgt sich ein 24/7 Chatangebot für Kinder und Jugendliche in Krisen. Die Nachfrage hierfür ist - nicht nur durch die Coronakrise - enorm. In wenigen Monaten sammelte das Kernteam 150 ehrenamtliche Mitarbeiter um sich, allesamt ausgebildete Psychotherapeuten, Kinderärzte, Pädagogen und Sozialarbeiter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, aber auch aus Kanada und Japan.

Krisenchat.de ist vor allem deshalb so erfolgreich, weil es so einfach ist. Ein Klick auf der Webseite und der Chat per SMS oder WhatsApp öffnet sich. Zukünftig sollen weitere Messengerdienste das Angebot erweitern. Im Gegensatz zu anderen Hilfsprojekten arbeitet Krisenchat.de rund um die Uhr, weil auch Krisen keine Uhrzeit kennen. Außerdem muss nicht telefoniert werden. Das liegt vor allem der jungen Zielgruppe: Kinder und Jugendliche telefonieren nicht mehr, sie chatten. Ein Chat bei Krisenchat.de dauert in der Regel etwa eine Stunde, Betroffene können aber auch jederzeit zurückkehren und weiter chatten.

Doch Krisenchat.de bietet nicht nur für Jugendliche eine Anlaufstelle, sondern ist auch eine Community für die ehrenamtlichen Mitarbeiter. Durch eine große Altersspanne - die jüngsten Mitarbeiter sind mit 21 Jahren nicht älter als die Hilfesuchenden, die Ältesten bereits über 60 - können sich die Ehrenamtlichen gegenseitig helfen und sich austauschen. Bereits bei ihren vorherigen Stationen merkte Lanz, dass man Projekte durch die Hilfe von Communities schneller und einfacher nach vorne treiben kann. Genau diese Erfahrung wendet sie nun bei Krisenchat.de an.

Die Verbreitung des Angebots erfolgt momentan fast ausschließlich über Social Media und word-of-mouth unter Jugendlichen, was auch hervorragend funktioniert. Iris Lanz möchte, dass in Zukunft jedes Kind und jeder Jugendliche in Deutschland Krisenchat.de kennt und keine Hemmungen hat, das Angebot auch zu nutzen. In Zukunft kann man sich auch vorstellen den Chat auf andere europäische Länder auszuweiten. Viel zu tun also. Wer ehrenamtlich unterstützen möchte, findet unter krisenchat.de die Mitmach-Angebote.

Disziplin und Durchhaltevermögen

Rückschläge wird es immer geben, ob als Angestellter, Gründer oder Gründerin. Doch gerade junge Frauen will Iris Lanz ermutigen, den Weg zur Gründung zu gehen.

Iris Lanz Erfahrung nach zeichnen sich erfolgreiche Gründerinnen und Gründer vor allem durch viel Disziplin und Durchhaltevermögen aus. Man muss sich selber motivieren und Mut zusprechen können, wenn es mal nicht so gut läuft. Denn auch wenn es viele tolle Momente gibt, wird es immer auch Tiefen geben. Man muss sich selbst treu bleiben und genau überlegen, was man aus seinem Leben machen möchte. Ist dieser Schritt getan, gibt es genug Hilfsangebote, Mentoren und Investoren, um die Gründung auch erfolgreich umzusetzen. Gründerinnen und Gründer müssen jedoch auch bereit sein, diese Hilfe anzunehmen.

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