Orchestergraben im Kabarett

Gerhard Polt - Kabarett in den Medien

Die Medientage München hatten sich selber auf die Fahne geschrieben, eine bunte Mischung an Themen zu bieten. Auch Kabarett und Satire durften da nicht fehlen. Gerhard Polt ist ein deutscher Kabarettist, Autor, Film- und Fernsehschauspieler - und selber nicht anwesend. Dafür sprach Dr. Claudia Pichler über ihn. Die gebürtige Münchnerin ist selbst Kabarettistin und schrieb ihre Magister- und ihre Doktorarbeit über Gerhard Polt. 

Gerhard Polts Art der Satire

Gerhard Polt spielte bereits am Anfang seiner Karriere damit, dass sein Publikum seine Satire nicht immer als solche erkennt. Seine Figuren bleiben immer menschlich und sympathisch, sodass sich jeder mit ihnen identifizieren kann. Auch sind seine satirischen Sketche nicht so übertrieben überzeichnet, wie man es von anderen Satirikern kennt. Außerdem sind sich seine Bühnenfiguren und seine private Persönlichkeite zumindest äußerlich sehr ähnlich, er nutzt kaum Requisiten oder Kostüme. Dr. Claudia Pilcher kann es deshalb dadurch durchaus verstehen, dass es zu Missverständnissen kommt.

Dieses Problem zeigt sich heute mehr denn je, wenn Gerhard Polts Werke in den sozialen Netzwerken Verbreitung finden. Laut Dr. Claudia Pilcher liegt das vor allem am fehlenden Kontext. Wenn jemand abends eine Kabarett-Veranstaltung besucht, weiß er ganz genau, was ihn dort erwartet. Bei Aufnahmen, die im Nachhinein gesehen werden, geht dieser Kontext verloren. In den sozialen Netzwerken nimmt dieser Prozess extreme Formen an, wenn nur noch einzelne Sätze oder Teile eines Kabarett-Stücks veröffentlicht und geteilt werden.

Kabarett in der heutigen Medienlandschaft

Dr. Claudia Pilcher sieht aber nicht nur im Verlust des Kontexts eine Herausforderung für heutige Kabarettisten. Kleinkünstler, Kabarettisten und Satiriker sind immer häufiger auf Social Media selbst aktiv, während der Corona-Pandemie ist das häufig die einzige Möglichkeit, mit den Zuschauern in Kontakt zu treten. Doch online-Auftritte bieten eine ganz andere Bühne, als es bei Live-Auftritten der Fall ist. Auch wenn die Interaktion vorhanden ist, ist sie selten direkt und meistens schriftlich. Auch geht das Unperfekte verloren, da Videos mehrmals aufgenommen und zurecht geschnitten werden können, bevor sie veröffentlicht werden. Doch es kann funktionieren, davon ist Dr. Claudia Pilcher überzeugt. Künstler müssten jedoch auch einen eigenen Zugang zu dem Medium haben und sich darauf einlassen. Es braucht neue Konzepte, die auf einem kleinen Bildschirm in kürzerer Zeit funktionieren.

In gewisser Weise wiederholt sich die Geschichte des Kabaretts: Auch Gerhard Polt ist in einer Zeit des Wandels als Künstler groß geworden, er musste sich von Live-Publikum auf Fernsehpublikum einstellen. Das sei ihm sehr erfolgreich gelungen, so Dr. Claudia Pilcher. Doch aus den modernen Formen seiner Kunst nimmt sich Gerhard Polt, mit dem sie weiterhin in persönlichem Kontakt steht, komplett heraus. Seine Sketche werden langsam aufgebaut, sie brauchen Zeit und Raum um zu wirken. Gegenüber einem neuen Umgang mit seinen eigenen Werken zeigt er sich jedoch sehr aufgeschlossen.


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