Karsten Schwanke ist Meteorologe und Wissenschaftsjournalist, die meisten werden ihn jedoch als Moderator der Sendung “Wetter Vor Acht” bei der ARD kennen. Auf den Medientagen München sprach er über wissenschaftliche Fakten in den Medienien, über Corona und den Klimawandel und die Zukunft des Journalismus. Er ist davon überzeugt, dass der klassische Wetterbericht im Fernsehen auch im Zeitalter von unzähligen Wetter-Apps und -Websites wichtig bleiben wird - wenn auch in anderer Form. Der Fokus wird sich jedoch wandeln. “Wetterfrösche”, wie Karsten Schwanke sagt, können nicht mehr nur das Wetter präsentieren. Er und sein Kollegen müssten eine Geschichte erzählen, Hintergründe erläutern, Unwetter begleiten und den Klimawandel begreifbar machen.

Karsten Schwanke über Corona und den Klimawandel

Doch wie wird der Klimawandel momentan in den Medien dargestellt? Und was hat das mit der Corona-Pandemie zu tun? Die Berichterstattung über die Pandemie stellt die Medien jeden Tag vor neue Herausforderungen. Journalisten müssen Zahlen und Fakten analysieren und sich in medizinische Theme einarbeiten, auch wenn das eigentlich gar nicht ihr Fachgebiet ist. Karsten Schwanke wünscht sich vor allem eine kritischere Berichterstattung. In vielen Formaten fehlt ihm der Kontext und eine tiefgreifende Beschäftigung mit dem Thema. Als Beispiel nennt er die Kurve der Neuinfektionen, die seit Monaten täglich gezeigt wird. Seiner Meinung nach könnte man die Zahlen der verschiedenen Monate nicht einfach so miteinander vergleichen, da auch die Dunkelziffer und die Gesamtanzahl der Test eine Rolle spielt. Bei seiner Arbeit in der Wetterredaktion wird bei ähnlichen Diagrammen immer auch ein Unsicherheitsbereich eingezeichnet, der einen anderen Umgang mit der Grafik ermöglicht.

Ähnliche Herausforderungen sieht Karsten Schwanke auch bei der Berichterstattung über den Klimawandel. Auch hier fehlt ihm die kritische Berichterstattung, obwohl bei diesem Thema bereits viel mehr Fakten bekannt sind, als es bei Covid-19 der Fall ist. Außerdem wünscht er sich eine neue Diskussion über die journalistische Neutralität. Seiner Meinung nach ist “die Gegenseite”, die ihm Zuge einer neutralen Berichterstattung auch gehört werden muss, beim Klimawandel komplett falsch definiert. Es sollen und müssen weiterhin Diskussionen darüber geben, welche Methode die beste ist, um beispielsweise die CO2-Emissionen zu senken, aber die Zeit der Diskussionen über die Existenz des Klimawandels ist vorbei. Dadurch würde man Klimawandel-Leugner auf eine Stufe mit wissenschaftlichen Experten stellen, was selbst unter Gesichtspunkten der journalistischen Neutralität zu weit geht.

Der Journalismus der Zukunft

Karsten Schwanke versteht, dass jetzt gerade die Berichterstattung über die weltweite Pandemie mehr Platz einnimmt als die über die Klimakatastrophe - es interessiert die Menschen und das Thema hat größeren Einfluss auf den Alltag. Noch. Denn Karsten Schwanke ist davon überzeugt, dass sich unser Leben innerhalb der nächsten Jahrzehnte tiefgreifend ändern wird. Er wünscht sich vor allem eigene Formate für das Klima, so wie es auch eigene Koch- oder Gesundheitssendungen gibt. Man dürfe dabei jedoch nicht in eine dystopische Berichterstattung rutschen und sämtliche Hoffnungen zunichte machen, denn es gäbe durchaus auch gute Nachrichten. Auch ihnen muss Raum zugestanden werden.

Zum Ende des Interviews äußert Karsten Schwanke noch einen persönlichen Wunsch: in der journalistischen Ausbildung soll mehr Mathematik und Statistik gelehrt werden, damit die neue Generation Journalisten besser auf komplexe Zusammenhänge reagieren kann.



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