Sonja Jost ist Dipl.-Ingenieurin sowie Gründerin und Geschäftsführerin von DexLeChem, einem grünen, profitablen Chemieunternehmen. DexLeChem ersetzt bei der Herstellung von Feinchemikalien Erdöl durch Wasser. Dadurch entsteht eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft, mit der Konzerne etwas für die Umwelt tun und gleichzeitig Geld sparen können. Jost wird von verschiedenen Medien als eine der 25 weiblichen Erfinderinnen bezeichnet, die die Welt verändern. Businesspunk wählte ihr Unternehmen auf der Startup-Watch auf Platz 1. Auf dem Entrepreneurship Summit 2019 erzählte Sonja Jost etwas über ihren Werdegang und den ihres Unternehmens.

Biografisches

Jost studierte an der TU Berlin, und ging danach in die Forschung, wo sie eine Erfindung tätigte. Vor 6,5 Jahren kam ihr dann die Idee, ein Startup zu gründen – damals gab es keine Startups in der Chemie. Alle hielten ihre Gründung für unmöglich. Sie hatte keine Unterstützung, keine Geldgeber, kein eigenes Vermögen, kein Netzwerk. Und doch, so dachte sie, muss es möglich sein in der Chemie zu gründen – die Chemische Industrie ist schließlich die drittgrößte Industrie Deutschlands.

Bereits während des Studiums spezialisierte sich Jost auf die Optimierung von Produktionsverfahren und sie wusste, so wie wir heute produzieren, wird die Chemieindustrie in eine Sackgasse laufen. Die meisten Prozesse laufen seit vielen Jahrzehnten gleich und die Branche ist nicht innovationsfreundlich. Zudem wuchs Jost umweltsensibilisiert auf und hatte verinnerlicht, dass wir als Menschheit verpflichtet sind, dem Umweltkollaps entgegenzuwirken. Wenn man heute schon mit Wasser anstelle von erdölbasierten Lösungsmitteln produzieren kann und dabei auch noch Kosten spart, warum machen wir das nicht? Sie wollte unbedingt gründen.

Der Aufbau eines Chemie-Start-Ups

Zunächst suchte sich Jost Mitgründer – Bekannte und ehemalige Kommilitonen. Eineinhalb Jahre lang wurde das Unternehmen von der Branche nicht beachtet. Sie bekamen keine Präsentationstermine bei Chemie- und Pharmaunternehmen. Damals wurden sie vom Centre for Entrepreneurship der TU Berlin betreut. Hier riet man Jost auf die Bühne zu gehen, weil Interessenten immer die Erfinderin sehen wollen. Für Jost nicht einfach, war sie doch kein Bühnenmensch. Die durchlaufenen Pitch Coachings brachten jedoch nicht den erhofften Erfolg. Schließlich machte es Jost auf ihre Art, vergaß das Erlernte und fokussierte sich vielmehr auf ihren echten Antrieb. Was ist mir wichtig und was möchte ich in der Welt verändern?

Als Nächstes stellte sich die Frage: Wie kommen wir an eine so konservative Industrie heran? Die Strategie umfasste mehrere Ebenen.

  1. Druck auf oberes Management machen, Innovationsprogramme und Startups in die Branche zu holen. Dazu in die Öffentlichkeit gehen und argumentieren, dass die Industrie für die Zukunft fit gemacht werden muss.
  2. Den regulierenden Behörden klarmachen, dass es eine Chemie-Startup-Szene gibt und einen riesigen Innovationspool im Bereich Green Chemistry, der bisher nicht abgeschöpft wurde. Ihnen zeigen, dass man mit umweltfreundlicheren Chemikalien Geld verdienen kann.
  3. Kontakte zu technischen Abteilungen von Unternehmen aufbauen. Wichtig hierbei aber: Diese Kontakte sollten, dasselbe Wertesystem haben wie man selbst.

Fazit

Jost wusste, dass die Chemiewende genauso wichtig für die Welt ist wie die Energiewende. Sie ließ sich nicht beirren, verfolgte ihren eigenen Weg und baute so ein mittlerweile profitables Unternehmen auf. Start-Ups haben sich in verschiedenen Branchen als Werkzeuge erwiesen, die  Innovation in eine Industrie bringen können. Um ein Start-Up in einer alteingesessenen Industrie zu gründen, muss man sich jedoch unbedingt Verbündete suchen. Diese müssen die Macht im Unternehmen, genauso aber dasselbe Wertesystem wie man selbst besitzen.

Weitere Beiträge vom Entrepreneurship Summit 2019 findest Du hier.

Bild: © 2018 Hannes Kutza