Sebastian Knoll sammelte nach dem Abitur, Zivildienst und vielen Reisen um die ganze Welt zunächst Erfahrung bei verschiedenen Filmproduktionen und Agenturen. Schon bald danach machte er sich als Regisseur selbstständig und gründete kurz darauf Lookin‘ Friday, eine Produktionsfirma, die vor allem im Musikbereich tätig ist. Seine später gegründete zweite Produktionsfirma Mainfilm.tv widmet sich stärker Produktionen für Unternehmensumfelder wie Image Videos und Eventproduktionen. Im Interview mit Konfy berichtete er darüber, wie die im Eventbereich besonders harten Einschränkungen während der Corona-Pandemie ihn zur Umstellung seiner Dienstleistungen zwangen, ihm schlussendlich jedoch neue Möglichkeiten und Perspektiven eröffneten.

Produzieren trotz Corona

Mitte März 2020 wurden aufgrund des Corona-Virus alle Events abgesagt - ob Firmenmeeting, Konzert oder Festival – für eine Produktionsfirma ein harter Schlag. Das Jahr hatte toll begonnen, die Auftragsbücher waren prall gefüllt und plötzlich ruderten die meisten Kunden zurück. Keiner wusste, wie sich die Lage weiter entwickeln würde. Knoll und sein Team standen vor der Herausforderung, etwas zu finden, was auch in dieser Zeit gebraucht würde, und schnell war man sich sicher, dass der Fokus auf Onlineveranstaltungen zu legen sei. Denn wenn sich Menschen nicht im echten Leben treffen können, tun sie es online.

In Windeseile, so Knoll, rückte seine Firma nun Produkte in den Vordergrund, die schon vorhanden, aber vorher nicht so relevant waren, und bot ihren Kunden von nun an die Produktion von Onlineveranstaltungen, Livestreamings und Remote Produktionen an.  Dazu wird die komplette Technik – Kamera, Mikrofon, Licht - an den Kunden geschickt und über Onlineschaltung aus der Ferne vom Produktionsteam bedient. Gerade Vorstände und Geschäftsführer konnten auf diese Weise auch aus heimischen Wohnzimmern heraus ihre professionelle Repräsentanz und die Corporate Identity ihrer Institution wahren. Nach kurzer Zeit begann dieses Konzept auch im Musikbereich zu greifen, so wurden beispielsweise Couchkonzerte produziert und Musiker remote aufgenommen.

Ablauf eines Remote Livestreamings

Vor dem Ablauf einer Onlineveranstaltung werden Knolls Produktionsfirma sämtliche für die Corporate Identity relevanten Elemente zur Verfügung gestellt – Formen, Farben, Logo. Diese werden in eine Plattform eingebaut, die so gestaltet wird, dass sie über die Firmen-URL erreichbar ist. Zudem wird genau geklärt, welche Regularien einzuhalten sind: Muss das Ganze ausschließlich über deutsche Server laufen? Ist ein Double-Opt-in für die Anmeldung per E-Mail vonnöten oder findet die Zugangsverifizierung über SMS oder Link statt? Ist ein einfacher Livestream ausreichend oder werden mehrere digitale Seminarräume parallel benötigt? Wie soll die Interaktion stattfinden – per Chat? Wird ein Simultandolmetscher eingesetzt? Braucht es einen Backdrop für einen ansprechenden Hintergrund?

Nach Klärung dieser Fragen wisse man, wie viele Kameras für die Produktion notwendig seien – das reiche von einer bis hin zu zehn. Der Kunde stellt diese Kameras später einfach auf ein Stativ und verbindet sie mit Strom und einem Streamingmodul – und ab da übernimmt das Produktionsteam die Bedienung der Kamera aus der Ferne und hilft ebenso beim Einrichten der Raumbeleuchtung. Die Kosten des Ganzen seien abhängig vom Budget des Kunden – Aufnahmen könnten beispielsweise mit einer einfachen GoPro oder einer hochprofessionellen Filmkamera gemacht werden – und begännen bei ca. 1.600 Euro. Natürlich kann man mit Tools wie Zoom vieles selbst erledigen und sollte dies auch tun, so Knoll. Viele Veranstaltungen wie z.B. Hauptversammlungen haben jedoch Ansprüche an Sicherheit und Professionalität, die Knoll und sein Team schon für geringes Budget sicherstellen können.

Fazit

Sowohl Mainfilm.tv als auch Lookin’Friday konnten mithilfe dieser neuen Herangehensweise trotz der strengen Corona-Kontaktbeschränkungen weiter produzieren und Knoll ist sich sicher: Diese Methoden werden auch nach Corona nicht an Relevanz einbüßen, denn sie ermöglichen es, Veranstaltungen günstiger und auch nachhaltiger durchzuführen. So muss man beispielsweise nicht jeden Speaker für ein Event extra einfliegen lassen, sondern schickt ihm lediglich eine Kamera zu und er spricht da, wo er sich gerade aufhält.