OMR-Gründer Philipp Westermeyer stellte auf dem Online Marketing Rockstars Festival 2019 dar, wie es um deutsche Internetunternehmen im Vergleich zu großen internationalen Firmen bestellt ist. Den Schwerpunkt seiner Keynote bildeten hierbei Hinweise darauf, was es im Marketingbereich aktuell besonders zu beachten gilt.

Abgehängt?

Um deutsche Internetunternehmen steht es nicht gerade gut. Während noch 2018 deutsche börsennotierte Digitalfirmen insgesamt 65 Billionen Euro wert waren, sind es 12 Monate später nur noch 53 Billionen – amerikanische und chinesische Unternehmen haben im selben Zeitraum hingegen stark an Wert hinzugewonnen. Auf der anderen Seite gibt es dennoch Grund zu hoffen, denn nie zuvor gab es so viele Investments in deutsche Startups wie in den letzten Monaten.

Beispiele für einen Vorsprung von chinesischen und amerikanischen Unternehmen gibt es viele. In Deutschland bisher kaum relevant, ist Voice in den USA derzeit viel beachtet. Allein bei Amazon Alexa bearbeiten bereits über 10.000 Mitarbeiter dieses Thema. China wendet sich sehr stark der Künstlichen Intelligenz (KI) zu. Die Stadt Tianjin hat beispielsweise öffentliche Fonds in Höhe von über 13 Milliarden Euro für KI-Firmen vergeben. In Europa gibt es ähnliche Fonds – jedoch nur in Höhe von 1,5 Milliarden Euro.

Die sieben Todsünden

Im Hinblick auf das Marketing lautet Westermeyers diesjähriges Motto: How do we make people care? Wie schafft man es, Leute zu motivieren in einer Zeit, in der scheinbar kaum noch jemand Lust hat, sich mit irgendetwas zu befassen, in der Werbung kaum noch wahrgenommen wird? 

Die Antwort lautet: Sprich die Urinstinkte des Menschen an! Jeder Urinstinkt steht für eine Todsünde. Und jede Todsünde steht für eine Marketingstrategie.

1. Todsünde: Zorn

Eine Marke darf polarisieren – dadurch versammelt sie die Richtigen hinter sich. Beispiel: Katjes wirbt für seine Produkte mit einer Kopftuchträgerin, was für Unmut sorgte, den Umsatz des Unternehmens aber auch um 28 % erhöhte. 

2. Todsünde: Begehren

Durch Kollaborationen können neue, begehrenswerte Produkte geschaffen werden. Beispiel: Crocs und Balenciaga haben einen neuartigen Designerschuh erschaffen.

3. Todsünde: Neid

Neid kann gut durch Product Drops erzeugt werden: Schaffe durch Kollaborationen neue Produkte, bewirb diese in den Sozialen Medien und stelle klar, dass es sie nur zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt gibt. Beispiel: Die N26 Stahlkreditkarte. Die Menschen reißen sich um solche Dinge. 

4. Todsünde: Stolz

Memebaiting ist aktuell ein großer Hype. Warum? Um ein Meme zu verstehen braucht es Insiderwissen – das erfüllt Menschen mit Stolz. Wer seine Produkte als Meme anlegt, sorgt für Aufmerksamkeit. Leute verbreiten dein Produkt, deine Message, weil sie stolz sind, den Wink verstanden zu haben. Beispiel: Balenciaga führt eine hochpreisige Tasche, die aussieht wie eine Ikea-Einkaufstasche.

5. Todsünde: Geiz

Sales Events wie Cyber Monday und Black Friday funktionieren gigantisch, ebenso Displaybanner die einen extremen Preisnachlass verkünden. Auch die Nutzung von Deal-Plattformen wie billiger.de sollten unbedingt genutzt werden.

6. Todsünde: Trägheit

Menschen sind träge, machen Dinge aus Gewohnheit so, wie sie sie immer schon gemacht haben. Das lässt sich für Marketing gut nutzen. Beispiel: Große Digitalfirmen wie booking.com oder Amazon verschicken wieder Werbung per Post. Auch das Einbeziehen des Einzelhandels ist sehr lukrativ. 

7. Todsünde: Maßlosigkeit

Maßlosigkeit sorgt für Aufmerksamkeit. Sehr gut funktioniert das über Instagram. Beispiel: Der Rapper Bones MC, hat fast zwei Millionen Follower generiert, indem er fünfzig Insta-Stories am Tag postet.

Hier findest Du viele weitere Beiträge zum Thema Marketing.