Marius Schulze kennt sich mit dem Thema “Gründen” so gut aus wie kaum ein Zweiter. Seit er vor bereits 26 Jahren eine kleine Online Marketing Agentur gründete, ist er in der Start Up Szene heimisch. In den Jahren danach lernte er nicht nur die Welt des Affiliate-Business kennen - er war zwischenzeitlich größter Ad Spender außerhalb der Corporate Welt in Europa - sondern kam auch in Kontakt mit Venture Capital und ist selbst als Business Angel tätig. So investierte er unter anderem in Researchgate, das oftmals als Facebook für Wissenschaftler bezeichnet wird. Im Jahr 2013 gründete er zusammen mit Friedrich Neumann schließlich den Company Builder “Makers”.

Vom Gründer zum Business Angel

In seinen zwei Jahren bei der Bundeswehr merkte Schulze, dass er einen gewissen Grad an Freiheit braucht. Aus der Anfangsphase eines Unternehmens zieht er die meiste Inspiration, mit größerem Wachstum und einer Mitarbeiteranzahl von über 30 Personen steigt auch der Anteil der Strukturen und er zieht sich meist zurück. So findet sich in seiner Vita genau eine klassische Festanstellung. Anschließend gründete er seine erste Firma und viele weitere danach.

Marius Schulze bezeichnet sich selbst als Business Angel. Doch die Definition dieses Begriffes fällt selbst ihm schwer. Grob gesagt, sind Business Angels ein Hilfesystem für die zweite und dritte Phase einer Gründung, nachdem “Friends, Fools and Family” aus der ersten Phase nicht mehr ausreichen. Ein Business Angel ist nicht nur jemand mit finanziellen Mitteln, sondern auch mit einem Netzwerk, idealerweise in dem Feld, in dem auch investiert wird. Es handelt sich nicht um eine Institution mit unbegrenzten Möglichkeiten, die wenigsten Business Angel haben deshalb ein großes Büro oder mehrere Mitarbeiter.

Mit Makers investierte Marius Schulze nur in Ideen und Personen, die auch ohne seine Hilfe erfolgreich geworden wären und ein sehr cash-nahes Business Modell erarbeitet hatten. Für bis zu 15 Portfolio Companies bietet Makers Unterstützung in Bereichen, in denen Gründer gerade in der Anfangsphase keine eigenen Mitarbeiter einstellen wollen oder können, wie zum Beispiel PR oder HR. Nachdem Makers viermal in Folge den “Fastest Growing Company Award” gewonnen hatte, wurde es vor zwei Jahren Teil von Deloitte Digital. Nach seinem Ausstieg im letzten Jahr, nutzt er das Jahr 2020 für ein persönliches Sabbatical.

Tipps für jeden Gründer

Gründen ist kein Selbstzweck, das heißt, keiner sollte Gründen, nur um zu Gründen. Es braucht ein klar definiertes Problem und eine Lösung, die dieses löst. Geschäftsmodelle, die nur mit fremden Geld arbeiten weil sich das Geschäftsmodell auf sehr lange Sicht nicht alleine tragen kann, schließt Marius Schulze von vornherein aus.

Doch worauf achtet jemand wie Marius Schulze im Gespräch mit neuen Gründern?

Das wichtigste sind die Gründer oder Gründerinnen und ihre Persönlichkeiten. Eine Idee haben ist das eine, diese muss allerdings von Anfang bis Ende durchgezogen werden. Leute, die zwischendurch aussteigen, gefährden den Erfolg eines Start-Ups. Die Arbeit eines Business Angels ähnelt deshalb oftmals der eines Psychologen und weniger der eines Investors. Gute Menschenkenntnis ist unbedingt nötig. Aus seiner Erfahrung weiß Marius Schulze jedoch, dass es keine 100 prozentige Trefferquote gibt. Der wahre Charakter eines Menschen zeigt sich seiner Meinung nach erst, wenn es richtig gut oder richtig schlecht läuft.

Schulze erwartet von Gründern Street Smartness. Es geht um die Fähigkeit, relevante Themen schnell zu erkennen und umsetzen zu können. Nur eine untergeordnete Rolle spielen seiner Meinung nach Universitätsabschlüsse und die Methoden und Regeln, die während einer akademischen Ausbildung gelehrt werden. Viel wichtiger ist Cleverness und die Fähigkeit, um die Ecke denken zu können. Gründer, die Chancen erkennen können und nicht immer alles nach vorgegebenen Vorschriften machen, das sind die, die letzten Endes erfolgreich sein werden.

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