Nach seiner Ausbildung zum Elektrotechnik-Diplom-Ingenieur, einem Jahr am Fraunhofer-Institut und acht Jahren in verschiedenen Rollen bei Microsoft, baute Chris Eberl die letzten acht Jahre sein Softwareunternehmen namens kontextR auf. Er schaffte es im tendenziell rückläufigen Verlagswesen erfolgreich zu sein. Seinen Studenten an der TU München, wo er ein Gründerseminar leitet, würde er dennoch nicht empfehlen in einem rückläufigen Markt anzutreten.

Wie man die Erfolgswahrscheinlichkeit von Start-Ups erhöht

Lange Zeit vertraute Chris Eberl darauf, dass man mit einer guten Idee gepaart mit genug Motivation und Ausdauer zwangsläufig erfolgreich wird. Das kann klappen, muss es aber nicht. Erfolgreiche Gründungen haben immer auch ein gewisses Extra: das richtige Timing, um den für die jeweilige Idee passenden Trend zu erwischen. Auch wenn man relativ schnell erkennen kann, wann sich ein Markt auf dem absteigenden Ast befindet, gleicht die Ausschau nach zukünftigen positiven Trends einem Glücksspiel.

Auf der Suche nach einer besseren Methode stieß Chris Eberl auf ein Prinzip des US-Amerikaners Nathan Ladka, beschrieben in seinem Buch "How to be a capitalist without capital". Anstatt ein Unternehmen zu gründen und auf das Beste zu hoffen, verspricht es mehr Erfolg, viele kleine Projekte hintereinander zu gründen. Das Erfolgsgeheimnis liegt darin, ein Unternehmen soweit zu bearbeiten, bis es ohne viel Zeitaufwand alleine läuft. Das heißt, es gibt ein Produkt oder einen Prototypen, SEA und SEO sind aufgesetzt und funktionieren, Kunden kommen und bringen Geld mit. Sobald dieser Stand erreicht ist, im besten Fall nach drei bis sechs Monaten, zieht man weiter zum nächsten Projekt. Die zuvor gestarteten Projekte laufen weiter, in der Hoffnung einen Trend erwischt zu haben und so Kunden nahezu von alleine kommen. Stellt man fest, dass dies bei einem der Projekte geschieht, sollte man sich zu 100 % diesem Projekt widmen und alles Andere stehen und liegen lassen.

Mit der Zeit können aus den laufenden Unternehmen Rückschlüsse gezogen werden, welche Prozesse klappen, welche Techniken Erfolg bringen und welche eher hinderlich sind. Alle Projekte profitieren voneinander, auch die Älteren werden durch neu gewonnene Erkenntnisse immer wieder aufgefrischt. Diese Methode funktioniert am Besten, wenn man synergie-Effekte strategisch plant und nutzt. Wenn sich die verschiedenen Unternehmen thematisch oder technisch ähneln, wenn man ähnliche Tools nutzt oder einen ähnlichen Kundenstamm anspricht. Die Basis für dieses Prinzip ist eine simple Wahrscheinlichkeitsrechnung: wenn dieser schnelle Rhythmus einmal erreicht ist und drei, vier oder sogar fünf Projekte pro Jahr gestartet werden können, ist es viel wahrscheinlicher, einen Trend zu erwischen als bei einem Einzelnen. Zudem profitieren alle gestarteten Projekte in der Zukunft rückwirkend von den Learnings, Prozessen, Technologie und Kunden der synergetisch verwandten Projekte.

Heute gibt Chris Eberl jungen Gründerinnen und Gründern immer zwei Tipps:

Erstens: starte nicht in einem absteigenden Markt! Es ist unglaublich schwer für eine Gründerin oder einen Gründer, aus der Abwärtsspirale eines Marktes als Gewinner hervorzukommen. Man kann nie wissen, ob man einen positiven Trend erwischt hat, aber einen Markt im Negativtrend sollten Gründer erkennen und vermeiden.

Zweitens: versuche immer das Know-How, die Energie und die Leidenschaften zu nutzen, die Du bereits hast. Lass Dich nicht von externen Beratern oder Webseiten verunsichern. Es ist viel einfacher, die Energie und die Motivation aufrecht zu halten, wenn man für ein Thema brennt und sich bereits damit lange Jahre schon auskennt. Idealerweise ist das ein Gebiet, in dem sich wenige andere Menschen ebenfalls gut auskennen. Innerhalb dieses Themas kann man dann immer noch überlegen, was der Markt gerade braucht.

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