Im Zuge der Medientage München spricht Wolf Bauer über sein neues Buch “Creative Leadership - Erfahrungen aus drei Jahrzehnten an der Spitze der UFA”. Wie der Buchtitel andeutet, war Wolf Bauer lange Jahre CEO der UFA, von 1990 bis 2017. Dabei hatte er ursprünglich Publizistik und Kunstgeschichte studiert und war anschließend als freier Mitarbeiter beim ZDF beschäftigt. 1980 schließlich suchte er bei der UFA eine neue Herausforderung - er wollte weg vom Journalismus und hin zum Erzählerischen - und fing zunächst als Produzent an. Zehn Jahre später wurde er CEO, was er fast 30 Jahre lang bleiben sollte. Während dieser Zeit erlebte er zwei große Umstürze mit: Zunächst einmal der Aufstieg der Privaten Sender Anfang der 90er Jahre, die der UFA neue Kundschaft und teilweise 30% Wachstum verschafften; und die Digitalisierung zum Ende seiner Laufbahn. Wieder musste die Zielgruppe, aber auch die interne Struktur neu gedacht werden.

Als wichtigste Eigenschaft eines Leaders nennt Wolf Bauer die Fähigkeit zum “Learning by Doing”. Es ist ein permanenter Lernprozess nötig, um nicht zwischendurch den Anschluss zu verlieren. Auch jetzt, nach seiner Zeit bei der UFA lernt Wolf Bauer nach eigenen Angaben immer noch dazu, so auch während er sein Buch geschrieben hat. Immerhin handelt es sich dabei um sein erstes Buch. Außerdem müssen Leader sich die Führungsarbeit auch selber zutrauen. Diese Aussage richtet er vor allem an Geisteswissenschaftler, seiner Meinung nach müssen Führungskräfte nicht immer eine wirtschaftliche Ausbildung genossen haben.

Wolf Bauers "geistige Diversität"

Wolf Bauer nennt eine Eigenschaft als essentiell für eine gute Teamarbeit und damit auch eine gute Führung: geistige Diversität. Das wird seiner Erfahrung nach bereits praktiziert, vor allem in kreativen Branchen wie Film, Fernsehen, in der Werbung sowie bei Theater- und Konzerthäusern. Dadurch, dass Teammitglieder aus unterschiedlichen Bereichen kommen und verschiedene Erfahrungen mitbringen, können alle voneinander lernen. Allerdings nur, wenn sich jeder darauf einlässt und sich an bestimmte Regeln hält. Für die Einhaltung dieser Regeln, die bei jedem Unternehmen anders sein können, ist der CEO, der Leader zuständig. Bei der UFA war das zu Wolf Bauers Zeiten vor allem das Delegieren von Verantwortung. Außerdem stellte er sicher, dass auch derjenige, der die Verantwortung getragen hatte, bei Erfolg das Spotlight erhält.

Ein weiterer wichtiger Teil eines geistig diversen Teams ist eine gemeinsame Identität. Das ganze Team sollte sich auf etwas einigen können, für das ein Unternehmen steht und eine gemeinsame Unternehmenskultur schaffen. Diese gemeinsame Kultur sollte vom Leader kommuniziert werden, in Wolf Bauers Fall hieß das oft eine Überkommunikation. Ganz getreu dem Motto “lieber einmal zu viel als einmal zu wenig”.

Doch hat das klassische linearen Fernsehen, auch mit Hilfe solcher neuen Führungsstile, überhaupt eine Chance im Zeitalter der Bezahlsender und digitalen Streaming-Dienste? Wolf Bauer sagt Ja. Denn für ihn ist Fernsehen jegliche Nutzung von Bewegtbild, völlig unabhängig von der Plattform. Die Branche muss jedoch Angebote für Alle schaffen und analysieren, welche Angebote noch genutzt werden und wo neue eingeführt werden müssen.


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