WTH, America? Was ist da drüben eigentlich los? Das fragen sich seit einigen Jahren immer mehr Menschen in good ol’ Europe. Christian Fahrenbach, freier US-Korrespondent, versucht etwas Licht ins Dunkel zu bringen und die Berichterstattung über den US-Wahlkampf zu erklären. Den Medientagen München ist er live von der Ostküste der Vereinigten Staaten zugeschaltet.

Der US-Wahlkampf in den Medien

In der Europäischen Sicht auf den US-Wahlkampf wird oftmals vergessen, dass die Medienlandschaft nicht nur aus FOX News, BBC und CNN besteht. Auf vielen anderen Sender gibt es auch Nachrichtensendungen, die entspannter und weniger festgefahren berichten und gerade deshalb mehr Zuschauer anziehen. Christian Fahrenbach konnte in den letzten Jahren eine Demokratisierung und eine breitere Berichterstattung beobachten, vor allem auf den sozialen Netzwerken. Gerade durch diese Entwicklung wünscht er sich mehr Medienkompetenz, sowohl von Journalisten als auch von Lesern. Das Problem: der US-Wahlkampf und auch die Berichterstattung darüber deutlich mehr von Lügen geprägt, als es beispielsweise in Deutschland der Fall ist.

Ein weiterer Grund für die Verwirrung liegt in den zahlreichen Umfragen, die vor der Wahl auftauchen. In Deutschland gibt es lediglich eine Handvoll Meinungsforschungsinstitute, während in den USA sehr viel mehr Quellen Umfragen veröffentlichen. Diese Quellen arbeiten oftmals nicht seriös oder haben gar nicht den Anspruch, dass ihre Ergebnisse auf das ganze Land übertragen werden können. So werden Umfragen veröffentlicht, bei denen nur wenige Hundert Teilnehmer befragt wurden. Außerdem wählen die Amerikaner ihren Präsidenten nicht direkt, die Wahlberechtigten wählen Wahlmänner, die dann zwischen den Kandidaten entscheiden. Dadurch zieht sich die Berichterstattung über den US-Wahlkampf und die Wahl länger hin als, es bei einem direkten Wahlsystem der Fall wäre.

Das US-Wahlsystem

Das komplexe System ist auch der Grund, wieso Christian Fahrenbach von einer Wahlwoche anstelle einer Wahlnacht ausgeht. In einigen Staaten dürfen Stimmen, die per Briefwahl eingegangen sind, noch mehrere Tage nach dem 03. November gezählt werden, solange der Poststempel stimmt. In der Vergangenheit gab es zu dem Thema bereits Gerichtsbeschlüsse, sodass auch dieses Jahr wieder neu verhandelt werden dürfte. Insgesamt ist Christian Fahrenbach jedoch verhalten optimistisch. Die Medien würden bereits vor der Wahl viel zu möglichen Streitpunkten berichten und auch die sozialen Netzwerke hätten angefangen, ihre gesellschaftliche Verantwortung zu akzeptieren. Auch wenn das Recht auf freie Meinungsäußerung in den USA sehr großen Stellenwert hat, gibt es auch bei Facebook, Twitter und Co immer mehr redaktionelle Entscheidungen. Die Netzwerke wandeln sich von einer reinen Plattform ohne redaktionelle Kontrolle hinzu einem Medienangebot mit allem was dazugehört.

Christian Fahrenbach hat im US-Wahlkampf einige Erkenntnisse für die Berichterstattung über den deutschen Wahlkampf nächstes Jahr gesammelt. So sei es viel wichtiger, dass über inhaltliche Themen gesprochen werde als über personelle. Auch bräuchten die Informationsangebote ein gutes und zugängliches Archiv, sodass Leser immer wieder nachlesen können, was bisher war. Außerdem wünscht er sich mehr Hintergrundinformationen. Es gäbe eine gute Berichterstattung für Leute, die sich bereits mit Politik beschäftigen, aber kaum gute Angebote für Politik-Neulinge.


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